Dr. Johannes Pause

Portrait

Johannes Pause ist Literatur- und Filmwissenschaftler. Nach seiner Promotion an der Freien Universität Berlin arbeitete er zwei Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG-Graduiertenkolleg „Transnationale Medienereignisse von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart“ der Justus-Liebig-Universität Gießen. Von 2010 bis 2014 war er zunächst als Stipendiat und dann als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historisch-Kulturwissenschaftlichen Forschungszentrum (HKFZ) der Universität Trier tätig. Seit September 2014 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter der ERC Starting Grant-Forschungsgruppe „The Principle of Disruption“. Seit Februar 2016 Vertretung einer W3-Professur für Medien- und Kommunikationswissenschaft, Universität Mannheim (Lehrstuhl Prof. Dr. Jens Eder).

Forschungsexposé

In seinem aktuellen Forschungsprojekt widmet sich Johannes Pause dem Filmgenre des Polit-Thrillers, das von seiner Entstehung in den 1960er-Jahren bis zu seiner Renaissance im aktuellen Hollywood-Kino in seinen unterschiedlichen regionalen und historischen Ausprägungen erfasst wird. Gefragt wird vor allem nach den Möglichkeiten und Spezifika eines politischen Erzählkinos, wobei ausgehend von der Beobachtung, dass Macht in den Filmen als sinnliches wie topologisches Gefüge entworfen wird, eine Integration der kulturwissenschaftlichen Schlüsselkonzepte Bild, Raum und Wissen in die filmwissenschaftliche Forschung angestrebt wird. Gleichzeitig wird nachvollzogen, wie diese Aspekte im Polit-Thriller selbst zum Gegenstand einer filmischen Detektion werden, die eine medienkritische und selbstreferenzielle Form des filmischen Wissens entstehen lässt. Anhand detaillierter Filmanalysen soll der Polit-Thriller dabei als politischer Kriminalfilm neu konzeptualisiert werden, der stets nach der Wahrheit hinter den eigenen Medienbildern fahndet und auf diese Weise eine eigene Epistemologie entwickelt, die das Verhältnis von Zuschauer, Film und Gesellschaft immer von neuem zur Disposition stellt.

Publikationen

Monographien

  • Texturen der Zeit. Zum Wandel ästhetischer Zeitkonzepte in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Köln: Böhlau 2012.
  • Die ironische Korrektur. Vom philosophischen Paradigmenwechsel Thomas Bernhards. Berlin: Tenea 2004.

Herausgeberschaften (Zeitschriften)

  • Gemeinsam mit Lars Koch und Tobias Nanz (Hg.): Behemoth. A Journal of Civilisation 9, 2/2016: Imaginationen der Störung (peer-reviewed, in Vorb.).

Herausgeberschaften (Sammelbände):

  • Gemeinsam mit Irina Gradinari und Nikolas Immer (Hg.): Medialisierungen der Macht. Filmische Inszenierungen politischer Praxis, München: Fink 2017 (in Vorb.).
  • Gemeinsam mit Lars Koch und Tobias Nanz (Hg.): Disruptions in the Arts. Berlin/Boston: De Gruyter 2016 [=Culture & Conflict, Bd. 9] (peer-reviewed, in Vorb.).
  • Gemeinsam mit Irina Gradinari und Dorit Müller (Hg.): Versteckt – Verirrt – Verschollen. Reisen und Nicht-Wissen. Wiesbaden: Reichert 2016.
  • Gemeinsam mit Irina Gradinari und Dorit Müller (Hg.): Wissensraum Film. Wiesbaden: Reichert 2014.
  • Gemeinsam mit Tobias Nanz (Hg.): Politiken des Ereignisses. Mediale Formierungen von Vergangenheit und Zukunft. Bielefeld: Transcript 2014.
  • Gemeinsam mit Tobias Nanz (Hg.): Das Undenkbare filmen. Atomkrieg im Kino. Bielefeld: Transcript 2013.

Aufsätze in Zeitschriften und Periodika:

  • Gemeinsam mit Lars Koch und Tobias Nanz: Imaginationen der Störung. Ein Konzept, in: Behemoth. A Journal of Civilisation 9, 2/2016: Imaginationen der Störung (peer-reviewed, eingereicht).
  • Der Antagonismus der Räume und die Militanz des Blicks. Gillo Pontecorvos Battaglia di Algeri. In: WerkstattGeschichte 69, 2015: anti/koloniale Filme (peer-reviewed).
  • Epistemologie der Gewalt. Der italienische Polizeifilm. In: Montage/AV 23, 1/2014: Reihen, Zyklen, kleine Genres, S. 63-79.
  • Cinema’s Journey into Homelessness. Leos Carax’ Holy Motors. In: Transfers. Interdisciplinary Journal of Mobility Studies 4, 1/2014, S. 133-136 (peer-reviewed).
  • Gemeinsam mit Jon Albers: Herakles und die Amazonen. Filmische Transformationen eines antiken Mythos. In: Hephaistos 29, 2013, S. 139-155.
  • Männer, die auf Wände starren. Sensorische Deprivation im Kino. In: Cinema. Schweizer Filmjahrbuch 57, 2012: Begrenzungen, S. 10-24.
  • Tyrannei des Augenblicks. Krisenhafte Zeiterfahrungen in der deutschen Gegenwartsliteratur. In: Kritische Ausgabe 21, 2012: Zeit, S. 7-11.
  • Zeitnetze. Globalisierung und postmoderne Ästhetik in Helmut Kraussers Roman UC. In: Transit. A Journal of Travel, Migration and Multiculturalism in the German-speaking World 7, 1/2011 (peer-reviewed).
  • Letzte Menschen. Zur Konjunktur eines Szenarios in der deutsch-sprachigen Gegenwartsliteratur. In: Deutsche Bücher 3/2009, S. 177-199.
  • Die Flucht ins Nichts. Videobilder als Irritation von Identität in David Lynchs Lost Highway. In: Nach dem Film 3, 2002: Video und Überwachung, http://www.nachdemfilm.de/content/die-flucht-ins-nichts.

Aufsätze in Sammelbänden:

  • Investigative Fiktionen. Ermittlungen politischer Wirklichkeit in Literatur und Film – am Beispiel des Oktoberfestattentats, in: Soeren R. Fauth/Georg Mein/Rolf Parr(Hgg.): Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur. München: Fink (in Vorb.).
  • Expansions of the Instant. Disruptions of Time in Contemporary German Literature, in: Lars Koch/Tobias Nanz/Johannes Pause (Hgg.): Disruptions in the Arts. Berlin/Boston: De Gruyter (peer-reviewed, in Vorb.).
  • Andrew Laeddis: Der Detektiv als Täter. Rekursive Paranoia im Verschwörungsfilm, in: Rupert Gaderer/Lars Koch/Elena Meilicke/Timm Ebner (Hgg.): Paranoia. Lektüren und Ausschreitungen des Verdachts. Wien: Turia & Kant (im Druck).
  • Die Gesellschaft der Spieler: WarGames, in: Michael Flintrop (Hg.): John Badham. Blick und Bewegung. Braunschweig: Fenomena (im Druck).
  • Eiserne Ketten, verzweigte Pfade. Zur Phantastik des Erzählens in klassischer Moderne und Gegenwart, in: Tanja van Hoorn: Zeit, Stillstellung und Geschichte im deutschsprachigen Gegenwartsroman. Hannover: Wehrhahn (im Druck).
  • Der Ort des Anderen. Zur Topologie (neo-)kolonialer Konflikte in Battaglia di Algeri und Syriana, in: Claudia Bruns (Hg.): „Rasse“ und Raum. Dynamiken, Formationen und Transformierungen anthropologischen Wissens im Raum. Wiesbaden: Reichert (im Druck).
  • Reise und Nicht-Wissen. Ein Aufbruch, in: Irina Gradinari/Dorit Müller/Johannes Pause (Hgg.): Versteckt – Verirrt – Verschollen. Reisen und Nicht-Wissen. Wiesbaden: Reichert 2016.
  • Gemeinsam mit Irina Gradinari: Sexualmord und Fotografie. Zur Entstehung des Tatorts als Wissensraum, in: Oliver Böni/Japhet Johnstone (Hgg.): Crimes of Passion. Repräsentationen der Sexualpathologie im frühen 20. Jahrhundert. Berlin/Boston: de Gruyter 2015, S. 49-73.
  • Gemeinsam mit Tobias Nanz: Politiken des Ereignisses. Einleitung, in: Tobias Nanz/Johannes Pause (Hgg.): Politiken des Ereignisses. Mediale Formierungen von Vergangenheit und Zukunft. Bielefeld: Transcript 2015, S. 7-32.
  • Gemeinsam mit Irina Gradinari und Dorit Müller: Filmische Räume des Wissens. Zur Einführung, in: Irina Gradinari/Dorit Müller/Johannes Pause (Hgg.): Wissensraum Film. Wiesbaden: Reichert 2014, S. 1-11.
  • Die epistemischen Motoren des Kinos, in: Irina Gradinari/Dorit Müller/Johannes Pause (Hgg.): Wissensraum Film. Wiesbaden: Reichert 2014, S. 13-35.
  • Das kinematographische Subjekt. Zur Raum- und Mediengeschichte filmischer Reisen ins Ich, in: Pascal Klenke et. al. (Hgg.): Writing Worlds. Welten- und Raummodelle der Fantastik. Heidelberg: Winter 2014, S. 205-218.
  • Der postapokalyptische Robinson. Imagination, Medien und Kalter Krieg in David Bourlas The Noah, in: Irina Gradinari/Stefan Höltgen(Hgg.): Heiße Drähte. Medien im Kalten Krieg. Bochum/Freiburg: Projekt 2014, S.125-146.
  • Ordnungen der (Un-)Sichtbarkeit. Das Jenseits der Bilder im italienischen Politthriller: Francesco Rosi, Damiano Damiani, Elio Petri, in: Preusser, Heinz-Peter (Hg.): Anschauen und Vorstellen. Gelenkte Imagination im Kino. Marburg: Schüren 2014, S. 199-216.
  • Tatort und Bildlabor. Die epistemischen Räume des politischen Kriminalfilms, in: Martin Przybiklski/Claudine Moulin (Hgg.): Orts-Wechsel. Reale, imaginierte und virtuelle Wissensräume. Wiesbaden: Reichert 2014, S. 117-133.
  • Gemeinsam mit Tobias Nanz: Das Undenkbare filmen. Einleitung, in: Tobias Nanz/Johannes Pause (Hgg.): Das Undenkbare filmen. Atomkrieg im Kino. Bielefeld: Transcript 2013, S. 7-24 (zus. mit Tobias Nanz).
  • Will the Survivors watch TV? Der Zivilschutz, das Fernsehen und Peter Watkins’ The War Game, in: Tobias Nanz/Johannes Pause (Hgg.): Das Undenkbare filmen. Atomkrieg im Kino. Bielefeld: Transcript 2013, S. 53-84.
  • Omertà, Trauma, Paranoia. Das Schweigen der Ereignisse in Francesco Rosis Salvatore Giuliano und Il Caso Mattei, in: Julia Barbara Köhne (Hg.): Trauma und Film. Inszenierungen eines Nicht-Repräsentierbaren. Berlin: Kadmos 2013, S. 195-217.
  • Blickverschiebungen. Die Politthriller Alan J. Pakulas, in: Claudia Mehlinger/René Ruppert (Hgg.): Alan J. Pakula. Film-Konzepte 26. München: Edition Text & Kritik 2012, S. 45-67.
  • Topologien der Macht. Zum filmischen Raum des Polit-Thrillers, in: Henning Engelke/Ralf, Michael Fischer/Regine Prange (Hgg.): Film als Raumkunst. Historische Perspektiven und aktuelle Methoden. Marburg: Schüren 2012, S. 177-191.
  • Zeitmotivik und narratologische Metareflexion. Tendenzen der deutsch-sprachigen Phantastik 1900-2000, in: Franciszek Grucza et. al. (Hgg.): Akten des XII. Germanistenkongresses der IVG. Warschau 2010. Vielheit und Einheit der Germanistik weltweit. Band 5. Frankfurt am Main: Lang 2012, S.245-250.
  • Das Ich auf dem Bildschirm. Thomas Glavinics Die Arbeit der Nacht (2006) und das Subjekt im Zeitalter audiovisueller Medien, in: Jörg van Bebber (Hg.): Dawn of an Evil Millennium. Horror und Kultur im neuen Jahrtausend. Darmstadt: Büchner 2011, S. 307-311. 

 

Kürzere Texte

  • Bild, Ton, Schrift oder Zahl? Sechster Kettenbrief, in: ZfM 1/2014, S. 56-59.
  • The Killing Fields, Syriana, Vermisst, Zeuge einer Verschwörung. Alle in: Thomas Koebner/ Hans Jürgen Wulff (Hg.): Filmgenres: Thriller. Stuttgart: Reclam 2013.
  • Einträge „Wirtschaftskrimi“ und „Campus Revolt Film“. In: Lexikon der Filmbegriffe, Universität Kiel, http://filmlexikon.uni-kiel.de.
  • Rezension „Matthias Brütsch: Traumbühne Kino“. In: Sehepunkte  12, 5/2012.
  • Tagungsbericht „Ein Exzess der Befreiung der Frau“? Terrorismus, Geschlecht und Gesellschaft in den 1970er-Jahren in transnationaler und interdisziplinärer Perspektive, 28.-29.01.2010, Gießen. In: H-Soz-u-Kult, 11.05.2010.